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Monthly Archives: May 2013

Nachdem bemängelt wurde, dass es “bloggen” heißt, habe ich nach reiflicher Überlegung beschlossen (ich fand “lama bloggt” irgendwie doof), dass ein längerer Titel wohl doch unumgänglich ist. Das Ganze hat mich die letzten Wochen immer so leicht im Hinterkopf beschäftigt und davon abgehalten neue Artikel einzustellen.

Deshalb gibt es ab jetzt alle weiteren Artikel unter http://blogvonundzulama.wordpress.com/

In meinem Europa-Beitrag habe ich eingangs “die Alten” erwähnt. Auch sonst schrecke ich nicht davor Gruppen mit Labels zu versehen. Und dabei ist es absolut nicht in Ordnung Menschen in Schubladen zu stecken.
Wieso mach ich das dann?
Ich verstehe solche Bezeichnungen eben als “Tags”. So wie ich auch die Artikel hier mit Tags versehe (wenn auch meist eher ungenügend), handhabe ich es eben auch mit Menschen. Anders als eine Schublade, die in alle Richtungen abgeschlossen ist und daher eine ganzheitliche Beschreibung suggeriert, weisen Tags aber nur auf eine (wichtige) Eigenschaft eines Objekts oder einer Person hin. Tags helfen beim Strukturieren und Wiederfinden, können aber auch widersprüchlich sein. Mich könnte man mit den Tags “Stuttgarter” und “Freiburger” versehen, da ich in beiden Städten lang genug gelebt habe und mich zuhause fühle. Wenn es aber um Schubladen ginge, könnte man mich schlecht in mehrere zugleich packen. Und beschrieben werde ich von den beiden Tags auch alles andere als zureichend. Aber je nach Kontext helfen die Tags bei der Einordnung. Wenn es um Politik geht beschreibt der Tag “Pirat” schon halbwegs meine Einstellung, auch wenn er über den Rest meiner Persönlichkeit nichts aussagt.
Und genau das müssen wir uns immer wieder bewusst machen. Tags zu verwenden ist naheliegend und hilfreich. Man darf nur nie den Fehler machen, sie zu sehr zu strapazieren und in sie Sachen hineinzuinterpretieren, die in ihnen eben nicht enthalten sind. Sonst werden aus Tags nämlich Schubladen.
Als Naturwissenschaftler habe ich viel mit Statistiken zu tun gehabt und benutze auch gerne statistische Aussagen. Auch hier muss man sich immer wieder bewusst machen, dass es sich um Tags handelt. Wenn man sagt, dass “alte Menschen mehr Angst haben als junge und daher mehr Überwachung wollen” oder “Piraten ITler sind” dann sind das statistische Korrelationen. Weil eben die Gruppe der mit “Piraten” getaggten und die der mit “ITler” Versehenen sich stärker überlappen als viele andere. Das heißt aber nicht, dass das für alle gilt oder die eine Gruppe hinreichend beschreibt. Nicht alle Piraten sind ITler und nicht alle ITler sind Piraten. Nicht alle alten Menschen wollen mehr Überwachung. Trotzdem helfen solche statistischen Beobachtungen immer wieder um Trends oder Kausalitäten auszumachen.
Wir müssen nur immer dabei aufpassen, dass wir uns nie verleiden lassen aus Tags Schubladen zu machen. Schubladen sind geistige Faulheit. Man will der Person keine weiteren Eigenschaften zugestehen und will alle Handlungen der aktuellen Bezeichnung unterordnen. Es ist verlockend. Und es ist falsch. Wir sollten anderen immer zugestehen, dass sie mehr sind als das kontextbezogene Label mit dem wir sie für unsere Orientierung versehen. Ich hoffe, dass das die meisten von Euch bereits tun.
Aber es gibt noch einen weiteren Aspekt: Wir müssen auch darauf achten, dass die von uns verwendeten Labels/Tags in Texten und Unterhaltungen nicht als Schubladen rüberkommen. Und das ist der schwierigere Teil. Deshalb sollte man auch beim taggen vorsichtig sein.